Die Geschichte

Als Justus Hildebrand 1831 in seinen Heimatort Hahn bei Pfungstadt zurückkehrte, eröffnete der gelernte Braumeister eine Gaststätte und begann, sein eigenes Bier zu brauen. Schon bald wurde bekannt, dass man im „Hirschen“ zu Hahn ein ganz vorzügliches Bier bekam. Doch Justus Hildebrand erkannte schnell, dass er zur Herstellung des von ihm bevorzugten untergährigen Bieres tiefe, kühle Keller benötigte, die er in Hahn wegen des hohen Grundwasserspiegels nicht bauen konnte.
1846 zog er deshalb mit seiner Brauerei nach Pfungstadt um. Das Grundstück wählte er mit Bedacht: Einerseits sollte es zentral gelegen, andererseits groß genug sein, um einem rasch wachsenden Unternehmen auch in kommenden Jahren genügend Platz zu bieten. Bis heute sind diese Voraussetzungen an dem Standort erfüllt.

1855 bekam Justus Hildebrand wertvolle Unterstützung: Ein junger Mann namens Justus Ulrich kam zu ihm und fragte um Arbeit. Schnell wurde Hildebrand klar, dass dieser Junge mit seinem unternehmerischen Weitsinn und Wagemut genau der richtige Partner für ihn sein würde. Er bildete ihn aus, förderte ihn und machte ihn innerhalb weniger Jahre zum Geschäftsführer seiner Brauerei. Ganz nebenbei gründete Justus Ulrich den Deutschen Brauerbund mit, wurde Reichstagsabgeordneter und der Schwiegersohn von Justus Hildebrand.

Gemeinsam erweiterten die beiden Männer das Unternehmen und machten es zu einem Musterbeispiel der gerade beginnenden Industrialisierung. Wegen des großen Bedarfs an Malz bauten sie auf dem Gelände 1868 eine eigene Mälzerei. Im folgenden Jahr kauften sie eine der ersten in Deutschland erhältlichen Eismaschinen, angetrieben von einer gewaltigen Dampfmaschine, die noch heute im historischen Maschinenhaus der Brauerei zu bewundern ist. Mit ihrem Bier wurden Hildebrand und Ulrich schon bald überregional bekannt – es gab Verkaufsstellen in ganz Deutschland, sogar Niederlassungen in Berlin, Hannover und Kassel. International gewann das „Pfungstädter Bier nach Pilsener Art“ zahlreiche Auszeichnungen und wurde in viele Länder exportiert.

In den folgenden Jahren wurde der Bierausstoß der Brauerei immer größer, das Unternehmen wuchs und wuchs. 1884 wurde für die mittlerweile 99 Beschäftigten eine eigene Betriebskrankenkasse gegründet. Bald darauf bekam die Fabrik einen eigenen Bahnanschluss, um das Bier für den Export schneller abtransportieren zu können. In der Region wurde das Bier mit Pferdefuhrwerken ausgeliefert – zeitweise hielt man dafür in der Brauerei bis zu 50 Kaltblüter.

Vieles wurde im Laufe der 180-jährigen Geschichte der Pfungstädter Brauerei neu erfunden – dazu zählen zahlreiche leckere Bierspezialitäten und Biermischgetränke, die die unterschiedlichsten Geschmäcker der Bierliebhaber begeistern. Eines aber ist immer gleich geblieben: Das Ur-Rezept für das herbfrische Pfungstädter Bier, das mit jeder Generation von Braumeister zu Braumeister weitergegeben wird. Und das die Grundlage dafür ist, dass ein Pfungstädter Bier auch in vielen Jahren noch genauso schmecken wird wie früher. So wie Justus Hildebrand – wäre er noch am Leben - es selbst noch immer brauen würde.